Ich habe keine Ahnung wie mir das immer wieder passiert, aber irgendwie saß ich am Abend des 29. Dezembers in der ersten Reihe der Spätvorstellung von „Stromberg – Wieder Alles wie immer“. Als jemand, der das deutsche Kino nicht völlig abgeschrieben hat, aber dennoch gern meidet, lande ich dann doch öfter als ich will in eben diesen Filmen. Ein winziger Saal, in der ersten Reihe, Blick schräg auf die Leinwand, sodass das Bild nicht nur durch die recht tiefe, sondern auch recht seitliche Position verzerrt wird und dann auch noch Stromberg. Klar kenne ich Stromberg, habe einen guten Teil der Serie geschaut und fand das auch eigentlich immer ganz witzig aber jetzt, elf Jahre später, nochmal ein Kino Film?! Fällt uns Deutschen denn nie etwas Neues ein? „Manta Manta zwoter Teil“, „Das Kanu des Manitu“, nach etwa 17 Jahren kehrt nun auch noch Horst Schlämmer in die deutschen Kinos zurück und wir rollen allen Ernstes jetzt nochmal Stromberg auf? War das nicht spätestens nach dem ersten Kinofilm 2014 schon durch? Wie so oft, ging ich also in den Film und erwartete nichts. Nur muss ich sagen, dass ich von gerade diesem Kino-Besuch positiv überrascht war.
Vorab zum Film:
„Stromberg – Wieder alles wie immer“ greift die Handlung genau da, wo wir jetzt auch stehen, elf Jahre später wieder auf und bringt den zentralen Teil der ursprünglichen Büro-Konstellation der Serie zurück: Berthold gen. „Ernie“, Tanja, Ulf, Jennie und natürlich den berühmt berüchtigten Bernd Stromberg. Die ehemaligen Kollegen werden für ein Fernsehspecial nach dem Motto „Was machen sie jetzt?“ zusammengetrommelt. Und kaum ist die alte Abteilung zusammen, geht der Trouble auch schon wieder los. Für keinen der Kollegen läufts so richtig gut: Ulfs und Tanjas Ehe bröckelt, Ernie ist ein geradezu erbärmlich erfolgloser Life Coach, Jennie steckt in einer Beziehung mit dem unglaublich nervtötenden „JulianG“ (einem fiktiven Influencer) und Stromberg ist wie gewohnt das bissige Arschloch, das er schon immer war.
Auch um die Figuren herum herrscht ordentlich Trouble: Im „SCU“ (dem Stromberg Cinematic Universe) also der Welt, in der Stromberg spielt, die Mockumentary, welche die Serie war, echt ist und eben auch all diese Figuren tatsächlich echte Menschen, und nicht bloß Rollen sind, haben sich über die Jahre zwei Lager gebildet: absolute Superfans, die sich zur Show wie Stromberg verkleiden und ihn nahezu haargenau imitieren können, und Demonstranten, die sich gegen Strombergs unzählige problematische Aussagen stellen. Neben der Haupthandlung, die sich um die Beziehungsdramen der einzelnen Figuren sowie die Offenbarung von Strombergs erbärmlichem Abstieg seit dem Ende des ersten Kinofilms dreht, tauchen diese zwei Lager immer wieder auf, um einander anzufeinden und gegeneinander zu sticheln.
Währenddessen muss sich Bernd Stromberg nach und nach mit der Realität auseinandersetzen, dass er nun eben nicht mehr „der Papa“ bzw. Chef ist, womit ihm aufgrund seiner so überaus „sympathischen“ Persönlichkeit recht wenig bleibt.
Dabei nimmt der Film inszenatorisch den altbekannten Mockumentary-Stil wieder auf. Ob man die erhöhte Bildqualität durch die Nutzung von Kinokameras jetzt als gut oder schlecht werten will, ist jedem selbst überlassen. Ich persönlich muss sagen, dass ein Großteil des Charmes der Serie durch das Gefühl der Authentizität, die durch das etwas schäbigere Bild entstanden ist, war.
Authentizität, die nun auch gerade aufgrund des neuen Settings fehlt. Strombergs natürliches Habitat ist nun mal einfach das Büro bzw. der Arbeitskontext. In diesem alltäglichen „Slice of Life“ Format funktionieren diese Figuren und der zugehörige Wahnsinn einfach am besten. Wenn man dann knapp 100 Minuten mit dem langweiligen Beziehungsdrama zwischen Ulf und Tanja (das ich von der Grundstruktur nun schon mindestens 100 Mal in diversen Filmen und Serien gesehen habe), Ernies immer gleicher Tollpatsch-Idioten-Art und, am schlimmsten, dem unglaublich nervigen und so behämmert geschriebenen JulianG verbringen muss, wirkt das Ganze nicht mehr authentisch absurd, sondern mit der Brechstange herbei gezwungen.
Genauso herbei gezwungen wirkt der Plot des Films. Alle Geschichten, die hier angeschnitten werden, werden kaum zu Ende erzählt, sind aber offenkundig nie auch nur im Ansatz spannend genug gewesen, als dass ich wissen wollen würde wie es ausgeht. Es ist mir egal, ob Ulf und Tanja wieder zusammenfinden oder ob sich Jenniffer von JulianG trennt, oder ob Ulfs und Tanjas Sohn wieder eine Verbindung mit ihnen aufbaut. Es ist mir egal, weil das alles genauso olle Kamellen sind wie Strombergs Witze es schon 2004 waren.
Strombergs Attitüde ist ein weiteres Problem: Das ganze Leitthema des Films ist es, dass ständig diskutiert wird, ob man „das denn überhaupt noch sagen darf?“, dabei durfte man das doch auch 2004 schon lange nicht mehr sagen. Eben das hat die Serie doch so lustig gemacht. Diese merkwürdige „Meta-Diskussion“ im Film darum, ob denn ein Kerl wie Stromberg in die Öffentlichkeit dürfte, ist seit der Premiere der ersten Folge hinfällig. Der ganze Spaß der Serie ist doch, dass dieser Kerl eben absolut nicht ins Fernsehen gehört.
Mit dem Versuch, hier nicht viel zu viel zu spoilern, aber um den meiner Meinung nach stärksten Punkt der Handlung, das Ende, dennoch zu würdigen, belasse ich es bei einer möglichst kurzen und vagen Beschreibung: Wie schon so oft in der Serie kommt Stromberg mal wieder mit seiner unflätigen Art davon, nicht nur das, er kriegt sogar sein Happy End. Genauso wie gewisse Politiker, Chefs von einschlägigen Medienkonzernen und andere Personen des öffentlichen Lebens gerade innerhalb der letzten zwei Jahre auch Mal um Mal mit ähnlichen Aussagen wie die Strombergs davongekommen sind. Stichwort: „Kleine Pashas“. Gerade die Schlusssequenz, in der im Gipfel der Ironie ausgerechnet Lars Klingbeil sagt, dass man ja nicht unbedingt mögen müsse, was Stromberg tue, er ja aber immerhin etwas tue, ist auf makabere Art und Weise treffend.
Natürlich liefern Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Oliver Wnuk, Diana Staehly und auch Milena Dreißig wieder satte Perfomances ab, welche ihrer Darbietungen der Figuren in der Serie in wenig nach stehen. Sie sind es auch, die dieses schwache Skript irgendwie retten. Gerade Herbst, für den diese Rolle praktisch wie ein Maßanzug geschneidert ist, geht wieder vollkommen in ihr auf. Sogar im Promo-Material für den Film ist er wieder das altbekannte Oberarschloch, das wir alle kennen.
Fazit:
„Stromberg – Wieder alles wie immer“ ist ein kümmerlicher Versuch, die eigentlich längst auserzählte Geschichte weiter zu spinnen, dabei ist den Autoren eigentlich längst das Garn ausgegangen. Hier ist nichts neu, nichts besonders innovativ und bis auf das Ende nichts überaus überraschend. Und sogar da kommt Stromberg wieder davon. Eben alles wie immer.
Endwertung: 45/100
Nun ist der Film also abgesehen vom Ende und den Hauptdarstellern eher mau, ich war aber trotzdem positiv überrascht. Das lag aber nicht etwa am Film (der zwar dennoch ein wenig besser war als erwartet), sondern eher am randvollen Kinosaal (der zugegebenermaßen sehr klein war) an Ü50ern, die wirklich über alles, und ich meine alles was passiert ist, lautstark gelacht haben. Genau das ist ja etwas, was viele am modernen Kino vermissen: das Gefühl gemeinsam zu schauen und sich gemeinsam für etwas begeistern zu können. Das war eine der spaßigsten Vorstellungen, in denen ich seit langem war und das lag nicht zuletzt an dem überaus ansteckenden Gelächter. Sorry Paul Thomas Anderson, aber Stromberg war einfach besser als „One Battle After Another“.
Bildquelle: https://www.imdb.com/de/title/tt34991535/mediaviewer/rm3059261698/
(Im Bild zu sehen: Christoph Maria Herbst als „Bernd Stromberg“)

Habe den Film nicht gesehen. Habe es auch nicht vor. Dieses Review ist völlig ausreichend